Museumsinsel Berlin -Teil 1- Das Neue Museum und warum es so heißt
17. Oktober 2009 | Von Karsten Heimberger | Kategorie: berühmte Bauwerke

Museumsinsel Berlin - Neues Museum
Das Neue Museum in Berlin wurde gerade als letztes Gebäude des Gebäude-Ensembles der Museumsinsel in Berlin nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges wieder eröffnet – mithin 70 Jahre nach Schließung des Gebäudes im Jahr 1939. Allein, dass es bereits mit Kriegsbeginn 1939 geschlossen und Teile der Sammlungen ausgelagert wurden, wirft nachträglich einen interessanten Blick auf deutsche Staatsgeschichte, über den es sich nachzudenken lohnt. In der Folge der Kriegshandlungen dann wurde das Gebäude so stark beschädigt und teilweise zerstört, dass es nicht, wie andere Gebäude der Museumsinsel, in den Nachkriegsjahren wieder aufgebaut wurde.
Wer je bis 1990 im Viertel zwischen Unter den Linden, Oranienburger Str., Spandauer und Wilhelmstraße unterwegs war, kann sich vielleicht erinnern, welch grausam beeindruckendes Zeugnis die Gebäude dort von den Zerstörungen des 2. Weltkrieges, insbesondere aber vom erbitterten (wie sinnlosen) Kampf um Berlin in den letzten Kriegstagen abgelegt war. Die umfangreichen Rekonstruktions- und Neubauarbeiten seit 1990 dort haben viel davon verschwinden lassen. Bei der Rekonstruktion des Neuen Museums sind diese Zerstörungen teilsweise bewusst erhalten geblieben.
Erst 1986 war es seinerzeit noch die Regierung der DDR, die mit ersten Restaurations- und Sicherungsarbeiten begann. Im September 1989 war dann die Grundsteinlegung für eine geplante originalgetreue Rekonstruktion des Neuen Museums. Die Arbeiten stoppten kurz danach durch die bekannten neuerlichen Veränderungen im Staatswesen.
1999 wurde die Museumsinsel Berlin Teil des Weltkulturerbe der UNESCO. Die nie ganz aus dem Auge verlorenen Arbeiten am Neuen Museum erhielten dadurch neuen Aufwind und wurden 2003 wieder aufgenommen – wenn gleich mit inzwischen veränderten Plänen. Das Neue Museum wird nämlich nicht originalgetreu aufgebaut, sondern mit einem veränderten und modernisiertem Konzept, das sich ergänzende Wiederherstellung nennt. Die noch original erhaltenen Gebäudeteile sollten gemeinsam mit den über die vielen Jahre entnommenen in den Neuaufbau integriert, sinnvolle und modernde Ergänzungen offen sichtbar und erkennbar sein. Diese Arbeiten sind mit der Neu-Eröffnung heute größtenteils abgeschlossen.
Doch warum heißt das Neue Museum genau so? Auch wenn wir hier die Geschichte der Museumsinsel in Berlin nicht ausführlich darstellen wollen – das kann und wird Inhalt eines späteren Artikels sein – gehört zu dieser Erklärung ein kurzer Blick in Geschichte. Ende des 18. Jahrhunderts fasst noch König Friedrich Wilhelm II. den Entschluss für den Bau eines öffentlich zugänglichen Museums, um damit den gesellschaftlichen Veränderungen und dem aufkommenden Bildungsbürgertum Rechnung zu tragen (als berühmte Vertreter sind die Gebrüder Humboldt bekannt).
Anfang des 19. Jahrhunderts ist es dann sein Nachfolger, der Karl Friedrich Schinkel beauftragt, konkrete Pläne zu entwerfen, deren Ergebnis letztlich u.a. die heutige Museumsinsel ist. Zunächst entstand dann das Königliche Museum (heute und seit 1845 das Alte Museum), das um 1830 eröffnet wurde und das erste öffentliche Museum in Preußen war.
Bald wurde dieses zu klein für die umfangreichen Sammlungen, so dass König Friedrich IV. bereits 1841 den Bau eines neuen Museums anordnet. 1843 ist Grundsteinlegung und beginnend mit 1850 wird es Stück für Stück fertig gestellt und in Teilen geöffnet. 1859 sind die Arbeiten abgeschlossen.
Alle anderen weltbekannten Gebäude der Museumsinsel sind übrigens jünger (Alte Nationalgalerie, Bode-Museum, Pergamonmuseum).
Das Neue Museum ist insgesamt sicher nicht so prunkvoll, wie andere bedeutende Gebäude seiner Zeit oder überhaupt in Berlin. Das war zum Teil beabsichtigt, damit es sich ein- und unterordnet (die genauen Schilderungen dazu würden jetzt zu weit führen).
Aber das Neue Museum ist aus architektonischer Sicht dennoch überaus interessant und dokumentiert mit seinem Bau in beeindruckender Weise die fortschreitende Industrialisierung und Technisierung seinerzeit, insbesondere aber auch die der Baukunst.
Erstmals bei einem solch öffentlichen Gebäude kamen z.B. Eisenkonstruktionen konsequent zum Einsatz, mit hochinteressanten Details in ihrer Ausführung. So wurden z.B. Teile erstmals einer industriellen Qualitätssicherung (bei Borsig) bereits vor dem Einbau unterzogen. Oder es kam z.B. bei der Gründung erstmals eine Dampframme zum Einsatz, die eigens aus Amerika importiert wurde. Die Dampfmaschine hatte stolze 5 PS (!) und trieb außerdem Mörtelmaschinen an und Aufzüge, die Baumaterialien an ihren Einbauort brachten.
Soweit für heute.
Sehr gern empfehlen wir die Webseite des Neuen Museums. Dort findet man weitere Details zur Geschichte und zu aktuellen Ereignissen. Außerdem kann man in hochinteressanter Weise das ganze Museum in einem beeindruckenden virtuellen Rundgang erkunden. Das sollten Sie sich nicht entgehen lassen!
Weiterführende Literatur:
Quellenangaben:
- die Webseite des Neuen Museums (Link oben)
- ein hervorragender Artikel bei Wikipedia über das Neue Museum
- Details zum Wiederaufbau des Neuen Museums, der Ausschreibung und der Anforderungen finden sich hier
- das Foto oben stammt von der Presse-Webseite der Staatlichen Museen zu Berlin - Bild: Neues Museum Eingang, Museumsinsel Berlin-Mitte
© Staatliche Museen zu Berlin, Foto: Achim Kleuker, 2009 – Alle Rechte liegen dort!
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